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Mariä Lichtmess - Brauchtum in früherer Zeit
- zusammengestellt von Richard Stadler -

Die biblischen Quellen
Das Fest der "Darstellung des Herrn" wird vierzig Tage nach Weihnachten als Abschluss der weihnachtlichen Feste gefeiert. Der früher gebräuchliche Name "Mariä Reinigung" erinnert an den jüdischen Brauch, auf den sich das Fest bezieht: Nach den Vorschriften des Alten Testaments galt die Mutter vierzig Tage nach der Geburt eines Sohnes als unrein. Die Frau musste ein Reinigungsopfer darbringen, wahlweise eine oder zwei Tauben oder in besonders gravierenden Fällen ein Schaf.
Maria-Lichtmess, Giovanni Bellini
Maria pilgerte also zu dieser ihrer "Reinigung" in den Tempel. Da außerdem Jesus der erste Sohn war, galt er als Eigentum Gottes und musste von den Eltern zuerst ausgelöst werden: er wurde zum Priester gebracht und vor Gott "dargestellt". Als die Eltern zu diesem Zweck in den Tempel kamen, begegneten sie dem betagten Simeon und der Prophetin Hannah, die erkannten, dass Jesus kein gewöhnliches Kind ist und ihn als den Erlöser Israels priesen (Lukasevangelium 2, 21 - 40).

Der historische Ursprung
liegt in einer heidnischen Sühneprozession, die alle fünf Jahre in Rom abgehalten und nun mit diesem Fest ins Christentum übernommen wurde. Deshalb stand die Kerzenweihe und Lichterprozession im Mittelpunkt und wird das Fest auch "Mariä Lichtmess" genannt. Das Fest ist im 5. Jahrhundert in Jerusalem bezeugt, wurde im 7. Jahrhundert in Rom eingeführt und zunächst am 14. Februar gefeiert. An Lichtmess wurde der Jahresbedarf an Kerzen für die Kirchen geweiht, die Leute brachten auch Kerzen für den häuslichen Gebrauch zur Segnung. Diese gesegneten Kerzen sollten vor allem in der dunklen Jahreszeit das Gebetbuch beleuchten, oder als schwarze Wetterkerzen Unwetter abwehren. Heute wird das früher bedeutende Fest nur noch selten wie früher mit einer Lichterprozession gefeiert. Lichtmess war bis 1912 auch ein offizieller Feiertag. Nach diesem Tag begann die Arbeit der Bauern nach der Winterpause wieder. Als "Schlenkeltag" war Lichtmess ein wichtiger Termin für Dienstboten: an Lichtmess wurde oft der Dienstherr gewechselt.

Maria Lichtmess - ein wichtiger Tag im Bauernjahr
Die Dienstboten, wie man die Knechte und Mägde (Ehalten) auf den Bauernhöfen nannte, machten einen beachtlichen Teil der Dorfbewohner aus. Sie bildeten eine eigene Bevölkerungsschicht. Welche Rechte und Pflichten die bäuerlichen Bediensteten in früheren Zeiten hatten, war in der Dienstbotenordnung, erlassen im Jahre 1781 von Kurfürst Karl Theodor, genau festgelegt.
Hüterbub beim Lehnerberg um 1910
Darin gab es schon damals eine Art Kündigungsschutz, allerdings nur zu Gunsten des Dienstherrn. Wer nämlich ab Dienstantritt innerhalb des Jahres kündigte, das heißt, seinen Arbeitsplatz aufgab, hatte keinen Anspruch auf seinen Jahreslohn.

Die kurfürstliche Dienstbotenordnung betraf aber nicht nur den Arbeitsbereich. Die Bevormundung der Dienstboten durch den kurfürstlichen Erlass erstreckte sich auch auf die Privatsphäre, z. B. auf die Freizeit. Nur mit Erlaubnis des Bauern durften die Dienstleute ausgehen. Der Bauer hatte auch dafür zu sorgen, dass auf seinem Hof Sitte und Moral herrschten. Deshalb musste er besonders darauf achten, dass die Dienstboten nach Geschlechter wohl abgesondert werden, alle ungebührlichen Vertraulichkeiten möglichst vermieden bleiben und derselbe solcher Gestalten bei Gott und Obrigkeit nichts zu verantworten habe. Wurde ein Intimverhältnis eines Knechtes mit einer Magd bei Gericht angezeigt, bestrafte man ihn meist mit mehreren Jahren Dienst beim Militär. In unserem Jahrhundert und auch schon früher sind natürlich solche Bestimmungen nicht mehr zum Tragen gekommen.

Billige Arbeitskräfte
Die Buben und Mädchen der kinderreichen Familien von damals fanden überwiegend Arbeit nur als Knechte und Mägde bei den Bauern. So wurden oft noch schulpflichtige Kinder von der Schule genommen um sich bei einem Bauern als Hüterbuben oder Dienstmägde zu verdingen. Nicht viel besser dran waren oft die unverheirateten Geschwister des Bauern. Sie hausten wie Dienstboten auf dem Hof und arbeiteten meist unentgeltlich nur für ein karges Essen und eine Kammer unter dem Dach, die mit mehreren Mägden geteilt wurde. Oberstes Ziel war, das „Sach“ (den Hof) zusammenzuhalten. Wurde für die Dienstboten zumindest in eine Versicherung einbezahlt (gemarkelt), so gingen die zur Familie gehörigen meist ganz leer aus.

Dienstbotenbezeichnungen
Die frühere Bezeichnung einer weiblichen Bediensteten auf dem Bauernhof war die "Dirn", mancherorts auch „Mensch“ (Hennamensch, Saumensch, Kuchlmensch).

Man muss heute deutlich zwischen dem damaligen Wortinhalt "Dirn" und dem heutigen Begriff "Dirne" unterscheiden. Die ursprüngliche, mittelalterliche Bedeutung: Dirne = "Jungfrau, Mädchen" findet man noch im norddeutschen "Deern" und bayerischen "Dirndl" oder "Derndl". Der Begriff "Dirne" hat seit etwa 1700 im Sprachgebrauch eine deutliche Bedeutungsverschlechterung erfahren. Auf dem Bauernhof gab es eine genaue Aufgabenstruktur. Während die Hausmagd ihren Aufgabenbereich im Haushalt hatte, arbeiteten die "erste Magd", die "Mitterdirn" im Stall und auf dem Feld. Bei den männlichen Dienstboten begann die Rangfolge beim "Hüatabuam", dann kam der "Stallknecht", der "Ochsenknecht" und der Dienstälteste am Hof, der "Rossknecht" oder „Baumer“.

Das Arbeitsjahr der Dienstboten
begann und endete am 2. Februar, an Maria Lichtmess. Dieses Marienfest war früher einer der wichtigsten Tage im bäuerlichen Jahresablauf; denn an diesem Tag wechselten viele Dienstboten ihren Dienstherrn. Sie bekamen vom Bauern zu dem Jahreslohn ihr Dienstbüchlein ausgehändigt, ein sehr wichtiges Dokument für den Besitzer; darin waren vom Bauern das Verhalten und die Leistungen niedergeschrieben.

An den Eingestellten oder Wiedereingestellten ("Gebliebenen") wurde vom Bauern ein Haftgeld im Voraus gezahlt. Das galt als Bestätigung für die Gültigkeit der Abmachung. Der überwiegende Teil der Knechte und Mägde wurde auf dem alljährlichen Viehmarkt im Januar "gedungen", das gebräuchliche Wort für das Einstellen. Die Väter der "Häuslleit" (Familien ohne bzw. mit nur wenigen Feldern und ein paar Kühen) waren mit ihren aus der Volksschule entlassenen Kindern am Viehmarkt auf der Suche nach einer Arbeitsstelle. Nicht selten wurden die Kinder den Bauern nur für Unterkunft und Verpflegung im ersten Dienstjahr angeboten, allein um daheim wegen des geringen, kärglichen Einkommens einen Esser weniger zu haben. Auch die „Häuslleit“ und Kleinbauern selber arbeiteten bei den größeren Bauern beim Heindln oder in der Heu- oder Getreideernte. Dafür durften sie sich etwas Gras von einer saueren Wiese oder einen Ranken für das eigene Kleinvieh abmähen. Das war meist ein sehr einseitig profitables Geschäft für die großen Bauern.


Der Dreschwagen ist da

Stellungswechsel und Schlankldog
Als Bub kann ich mich noch erinnern, als es hieß: „Der Xaverl, der Baumer vom Burgmeier, steht ab Liachtmess beim Olkusnbauern ein.“ „Beim ‚Beckamichl’ kommt eine neue Dirn, die Paula.“ Mit dem Lanz-Bulldog wurde der Wagen mit den wenigen Habseligkeiten, dem Bett, einem Kasten mit der Wäsche, einen kleinen Tisch, ein Sessel, ein Kreuz und ein paar Heiligenbilder auf den künftigen Arbeitsplatz gefahren.

Nach Lichtmess, als die Einstellungen abgeschlossen und Arbeitsverhältnisse geklärt, die Knechte und Mägde in ihre "(Menscher)-Kammern" (die Betten hatten als Matratzen den "Strohsack") eingezogen waren, kam für sie die "Schlenklweil" oder die Schlankldog (eine Art Urlaub). Die Zeit wurde genutzt, um sich kennen zu lernen oder auch um noch ein paar Tage bei den Eltern oder Geschwistern zu verbringen. Die Knechte saßen in der Gaststube beim Kartenspiel und vergnügten sich am Nachmittag beim Eisschießen.

Entlohnung
Die Entlohnung bestand aus freier Kost, Wohnung und einem meist kargen Geldlohn. Der Jahreslohn einer Magd betrug um 1900 gerade fünf Mark. Außer dem Jahreslohn gab es noch das Haftgeld und das "Arngeld" (Erntegeld). Außerdem erhielt jeder Dienstbote Holzschuhe, Socken, Schürzen, Hemden, die Mägde außerdem Strümpfe und Kopftücher und was sie dringend benötigten. Als Geschenke an Weihnachten und Ostern gab es meist "Bettzeug" oder Kleidungsstücke. An Ostern war es Brauch, dass jeder Bedienstete an einem ihm zugeteilten Tag der Osterwoche (außer Gründonnerstag) die Eier aus den Hühnernestern holen und sie sein eigen nennen durfte. Da kam es schon vor, dass der Dienstbote ausgerechnet an diesem Tag ein reich bestücktes Hühnernest in der Scheune fand, das er allerdings schon Tage vorher zu seinen Gunsten vermehrt hatte.


Der Bauer mit den Dienstboten beim Heindln

Es war auch eine anerkennende Geste des Bauern, wenn er für den Knecht oder die Magd, denen die Pflege des zum Verkauf angebotenen Stück Viehs anvertraut war, beim Käufer ein paar Geldstücke, das Stallgeld ausgehandelt oder auch selbst bezahlte.

Der Lichtmesstag
Am Lichtmesstag wurde auf einem Bauernhof von allen Hausbewohnern der Lichtmess-Rosenkranz in der Stube gebetet. Dazu ließ die Bäuerin die Lichtmesskerzen weihen, befestigte sie auf Brennholz-Spänen und stellte sie zusammen mit Wachsstöcken auf den Stubentisch.

Nach Anzünden der Kerzen kniete die Familie mit den Ehalten um den Tisch und betete den Rosenkranz bis die Kerzen heruntergebrannt waren. Unter den Tisch stellte man auch ein Brett auf dem ebenfalls sog. Pfennigkerzen brannten. Diese waren für die verstorbenen Angehörigen im Hause gedacht. Auf den Weihwasserkesserl bei der Tür wurden einige brennende Kerzen für das Heil der Ein- und Ausgehenden gestellt. Aus den angesengten Spänen bastelte man sog. Drudenkreuze, die in die Ställe gehängt wurden. Sie sollten das Vieh beschützen, insbesondere vor Druden, die im Volksglauben als Hexen den Tieren und Menschen schadeten. Den übrig gebliebenen Docht aßen die Leute in dem Glauben, sich damit gegen Halskrankheiten schützen zu können. Am Fest Mariä Lichtmess wurde der ganze Kerzenbedarf für ein Bauernjahr geweiht.


Wachsstöckl mit Bild
Neben den Wachsstöcken und Pfennigkerzen wurden auch Altarkerzen und schwarze Wetterkerzen zur Weihe in die Kirche gebracht. Das "Spitzl" oder die „Spitzn“ an Allerheiligen hatte seinen festen Bestand in der Reihe der Jahresgaben: Für die Dirn ein "Wachsstöckl" und den Knecht "Sacktüchl". Aber die Dienstboten beschenkten sich auch gegenseitig. So manche Dirn bekam vom Knecht ein freundschaftliches Spitzl fürs „Aufbeddn“ oder des Öfteren auch umgekehrt, was dem gegenseitigen Verhältnis in jeder Beziehung sehr von Nutzen war. Heute ist von diesen Bräuchen außer der kirchlichen Kerzenweihe nichts mehr übrig geblieben.

Inhalte mit freundlicher Unterstützung von
Richard Stadler
http://www.bachlertal.de


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